Slavimir Stojanovic “Futro” – Ein Šmeker, ein Künstler

Slavimir Stojanovic oder auch Futro ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Grafik Designer Serbiens. Der gebürtige Belgrader studierte in Göteburg und Ljubljana, startete danach seine Karriere bei Saatchi & Saatchi in Belgrad, gewann zahlreiche Awards und leitet heute seine eigene Agentur Studio Futro. Nebenbei ist er bei zahlreichen Kunst- und Kulturprojekten involviert, schreibt Bücher und arbeitet als Referent. Nach seinem Referat an der European Graduate School in Saas Fee haben wir ihn in Zürich zu einem Gespräch getroffen und vieles über ihn, seine Arbeit und Ex-Jugoslawien erfahren. 

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Slavimir, was machst du?

Ich mache seit über 35 Jahren Design und geniesse es immer noch. Es gefällt mir, andere zu inspirieren und mit meiner Arbeit Reaktionen auszulösen. Das ist mein Hauptanreiz für jede Form von Kunst, die ich mache. 

Und was inspiriert dich?

Die Werke von anderen Künstlern haben mich schon immer inspiriert. Sobald ich ein gutes Werk sehe, motiviert es mich dazu, auch so etwas zu schaffen. Natürlich inspiriert mich auch mein Umfeld – die Liebe, meine Frau, mein Kind, Freunde, Familie. Aber den richtigen Inspirations-Kick erhalte ich erst, wenn ich etwas Unglaubliches sehe, dass mich dazu bewegt, tagelang darüber nachzudenken und diesem genialen Schaffen nachzueifern. Denn erst so wachse ich über mich selbst hinaus und erschaffe eine noch bessere Version von mir. 

Du hast mit “devet” deine Autobiografie geschrieben. Weshalb sollte man das Buch lesen?

Ich habe das Buch in erster Linie für mich selbst geschrieben. Es war eine Art Psychotherapie, um meine traumatisierenden Erlebnisse zu verarbeiten. Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Leser in Teilen davon wiederkennen werden. Die wichtigste Aussage darin ist jedoch, dass jeder Mensch anders ist und jeder andere Anforderungen an sich und sein Umfeld stellt. Es gibt nicht die eine Wahrheit sondern jeder hat seine eigene. Und diesen Umstand muss man akzeptieren und hinnehmen. Wenn man das nicht schafft, wird das Zusammenleben sehr schwer und jeder mutiert zum eigenen Sheriff. Wie das endet, hat man auf dem Balkan schon oft gesehen. 

Erzählst du uns eine Anekdote aus deinem Leben?

Gerne. Es ist das Jahr 1992, kurz vor dem Zerfall der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien. Ich habe einen Onkel in Göteborg und gehe zu ihm, um in Schweden Design zu studieren. Ich nutze diese Gelegenheit, damit ich nicht in einen Krieg gezogen werde und am Ende gegen meinen Nachbarn oder sogar einen Freund kämpfen muss. Da kurz nach meinem Aufenthalt in Göteborg der Krieg wirklich ausbricht, wird mein Visum nicht mehr verlängert und ich darf mein Studium offiziell nicht beenden. Dank meinem damaligen Dozenten kann ich weiter studieren und in Schweden bleiben. Aber natürlich schwarz und nicht offiziell. Dort habe ich alles gelernt, was ich heute über Design und den skandinavischen Minimalismus weiss. Nach dem Studium musste ich Schweden verlassen und bekam einen roten Stempel in den Pass und das Einreiseverbot für Schweden. Danach habe ich meine Arbeit bei Saatchi & Saatchi angefangen und kurz darauf einen der höchsten Design-Awards gewonnen, der ironischer Weise in diesem Jahr in Schweden verliehen wurde. Da ich den Preis unbedingt vor Ort abholen wollte, musste ich meinen Pass loswerden. Glücklicherweise war dies noch vor dem digitalen Zeitalter und ich konnte einen Neuen erstellen lassen, ohne roten Einreiseverbot-Stempel. 

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Du arbeitest ja an vielen Projekten und Werken. Wenn du dich nur noch mit einem beschäftigen könntest. Welches Projekt wäre das?

Das visuelle Design der Olympischen Winterspiele im Raum der Republiken des ehemaligen Jugoslawien. Das wäre mein grosser Traum und dafür würde ich alles stehen und liegen lassen.

Welches ist dein nächstes Projekt?

Da gibt es einige. Eines der wichtigsten ist sicher das Projekt „Serbien erschafft“. Dabei geht es darum, Serbien im Ausland zu promoten. Meine Aufgabe ist es, den neuen visuellen Auftritt von Serbien Tourismus zu kreieren. Ich freue mich sehr darauf, mein Heimatland wenigsten in ästhetischer Hinsicht positiv auf der Weltkarte zu positionieren.

Welches ist dein Lieblingsort in Belgrad?

Es gibt einen Ort in der Stadt, den ich jeden Tag besuchte. Das ist die Festung Kalemegdan. Genauer gesagt der Aussichtspunkt rechts vom Pobednik. Von dort aus hat man eine wunderschöne Sicht auf die Kriegsinsel, Zemun und Vojvodina. Am Abend erlebt man dort einen der schönsten Sonnenuntergänge der Stadt.

Was würdest du gerne in Zürich sehen?

Ich habe zehn Jahre in Slowenien gelebt. Viele sagen, dass Slowenien und Ljubljana eine Kleinausgabe der Schweiz und Zürich sind. Von dem wollte ich mich überzeugen. Nach meinem Besuch hier, kann ich das nur bestätigen. Ausser dass der Standard hier natürlich um einiges gehobener ist.

Was ist für dich ein Šmeker?

Ein Šmeker ist jemand, der in der Lage ist, herzhaft zu lachen! Das heisst, er hat seinen Platz im Leben gefunden und  lässt den Leuten um sich herum genug Raum. Erst dann kann jemand ernsthaft Lachen und es mit anderen teilen.

Was braucht jeder Jugo im Šrank?

Ich vermeide mir meine ironische Antwort. Vielleicht ein SFRJ-Dress (Anm.d.Redaktion: SFRJ SOZIALISTISCHE FÖDERALISTISCHE REPUBLIKEN V. JUGOSLAWIEN), damit man immer mal wieder daran denkt, dass es auch gemeinsam geht. Da ich überzeugt bin, dass viele Leute trotz den Problemen und Umständen, die gemeinsame Zeit als Einheit genossen haben.

Mit wem würdest du gerne ein Bier trinken?

Ich habe das Glück, dass ich mit Duško Kovačević befreundet bin. Diese Gesellschaft schätze ich und geniesse die gemeinsamen Gespräche sehr. Ich hatte immer geträumt, mal mit ihm ein Bier zu trinken und bin dankbar dafür ihn zu kennen. Er ist in der Zwischenzeit so etwas wie ein Mentor geworden. 

Dein Lieblingslied aus Ex-Jugoslawien?

Es gibt es viele. Ich höre sie alle sehr gerne. Vor allem am Abend, wenn ich alleine bin. Dieses Lied ist sicher eines von meinen liebsten: “Rusija” der Gruppe Idoli

Interview: Dimitri Mitrovic
Text: Anja Lapcevic
Fotos: Slavimir Futro

SMEKERSKI
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