Andrea Staka YuCica

#YuCica Andrea, stellt Frauen in den Mittelpunkt

Das Filmbusiness wir von Männern dominiert. Der Fall Harvey Weinstein und die #metoo-Debatte haben uns das ein weiteres Mal vor Augen geführt. Dennoch hat es Andrea Štaka geschafft, sich in dieser Branche durchzuschlagen und Preise abzuräumen. Sie dreht nicht nur Filme. In ihren Filmen spielen Frauen die Hauptrolle. Zum Weltfrauentag feiert ihr neuster Film „Mare“ Premiere in Zürich. Wir haben die Regisseurin getroffen, um mit ihr über Frauen, Filme und Vorurteile zu sprechen.

„Inäre andere Sprach, wirsch en andere Mensch“ 

Andrea kam als Tochter eines Kroaten und einer Bosnierin in Luzern zur Welt. Schon sehr früh beschäftigten sie ihre widersprüchlichen Gefühle ihrer beiden Heimaten: Der Schweiz, wo sie aufwuchs und dem ehemaligen Jugoslawien, das sie aus den Ferien in Dubrovnik und Sarajevo kennt. Als Teenager war die Fotografie ihr Medium, diese Gefühle zu erforschen und auszudrücken. Mit dem Ausbruch des Krieges 1991 wurden die Fragen heftiger, existenzieller und komplexer. Die Kamera reicht nicht mehr aus und so griff Andrea zu Geschichten, um das Geschehen zu verarbeiten. Was dabei entstanden ist und welche Rolle Frauen dabei spielen, erfahrt ihr hier.

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Du hast im Jahr 2000 den Film Yugodivas gedreht. Dort hast du 5 kreative Frauen aus Serbien in New York porträtiert. Wenn du heute, im Jahr 2020, nochmals den Film drehen würdest, welche 5 Frauen würdest du porträtieren?

Spontan würden mir da zwei Szenarien vorschweben. Entweder fünf ältere Frauen aus meiner Familie und Heimat wie meine Tante, Grosstante und meine Mutter. Dabei würde ich gerne erforschen, wie die emotionalen Familienstrukturen sind und was sie ausmacht. Und schauen, wo die Leichtigkeit dieser Frauen geblieben ist, denn sie wirken oft besorgt und streng. Das zweite Szenario wären fünf Frauen aus verschiedenen Bereichen und Alter in der Schweiz mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien. Es wäre wie eine Neuauflage des „Fräulein“. Ich würde gerne herausfinden, was heute mit dieser Diaspora geschehen ist. Sprich zu schauen, wo jüngere Jugos heute in der Schweiz stehen und ob, wir schon Schweizerinnen geworden sind.

Worauf können wir uns bei deinem neusten Film „Mare“ freuen?

Bei „Mare“ geht weniger um die geografische und kulturelle Identität sondern um die Identität der Frau. Wer sind wir heute, wo stehen wir, wohin wollen wir? Es ist auch eine Reise ins Thema Familie: Was passiert, wenn Kinder erwachsen werden. Was bedeutet Sexualität bei uns Frauen und wie wichtig darf sie uns sein. Man kann sich auf eine atmosphärische Jugo Westernlandschaft freuen und viele Flugzeuge. Und für einmal lieben zwei Männer eine Frau.

Wenn du die freie Wahl hättest, wen hättest du gerne vor der Kamera?

Charlotte Gainsbourg. Ich finde, sie hat gleichzeitig eine Kraft und Zerbrechlichkeit. Sie hat etwas authentisches, eine tolle Neugierde, etwas Geheimnisvolles und steht zu ihrem Alter.

Was inspiriert dich?

Bei meinen Filmen inspirieren mich oft Orte. Konavle ist eine unbekannte Gegend beim Dubrovniker Flughafen. Die Küste ist rau und wild, die Landschaft wunderschön und nahe der Grenze, das alles passt auch zur Hauptfigur. Bei Yugodivas wars die Energie New Yorks und bei Hotel Belgrad das Hotel als anonymer Raum zwischen zwei Kulturen oder Leben. Oft berührt mich auch eine Emotion oder ein Bild, welches mich nicht mehr loslässt und dazu inspiriert fünf bis sechs Jahre an einem Film zu arbeiten. Bei Mare war es Sehnsucht und Begehren! Was es bedeutet Frau und Mutter zu sein. Während des Balkankonflikts hingegen hat mich das Bild der Medien gestört, dass man Jugos ausschliesslich mit aggressiven Männern mit Kalaschnikows und alten Frauen in Kopftüchern vom Land verband. Mit meinen Filmen habe ich dem entgegengewirkt. Ich wollte der Welt oder zumindest der Schweiz zeigen, dass es auch moderne, städtische und vor allem junge, ambitionierte Frauen im ehemaligen Jugoslawien gibt, die zur Lieben satt zur Waffe greifen.

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„Was du bisch en Jugo?“, kennst du diese Frage und wie antwortest du darauf?

Klar und sie wird mir immer wieder gestellt! „Hesch es Problem damit?“ und ein Augenzwinkern.

Was braucht jeder Jugo im Šrank? 

Aspirin

Welches ist dein Lieblingslied aus Ex-Jugoslawien?

Ruzica si bila von Bijelo Dugme.  Bei diesem Lied kann ich total eintauchen und meinen Emotionen freien Lauf lassen und laut mitsingen.

Welches ist dein Lieblingsort in Ex-Jugoslawien?

Konavle, der Ort an dem „Mare“ gedreht wurde. Hier hat man das Meer, und die rauen und einsamen Berge. Man könnte es als Provence Kroatiens bezeichnen. Mein Grossvater stammt aus dieser Gegend und wir haben jedes Jahr meine Verwandtschaft und den Friedhof dort besucht. Rund um den Ort gibt es viele Geschichten und Sagen. So wohnen hier Feen und die schönsten Frauen. Aber alle Geschichten haben zu ihrer schönen Seite auch eine dunkle, brutale.

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Welches sind deine Lieblingsorte in Zürich?

Aus unerklärlichen Gründen die Rämistrasse.

Was können Jugos von Schweizern lernen und umgekehrt?

Jugos können von den Schweizern eine gewisse Coolness vertragen. Die Schweizer hingegen mehr Leidenschaft und Emotionalität aus der Jugokultur. Um auf das Zitat in der Einleitung zurück zu kommen: In der serbokroatischen Sprache kann man die Emotionen intensiver ausdrücken und ausleben als im Schweizerdeutsch.

Text und Bild: Anja Lapcevic

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